Rathaus aktuell

 

Liebe Bürgerinnen und Bürger von Rockenhausen, Dörnbach und Marienthal

 

„Das Museum Pachen zeigt eine weit über die Grenzen der Pfalz bekannte Sammlung moderner deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts“. So kennen wir alle die Internet-Präsentation des seit über 20 Jahre bestehenden renommierten Museums, das momentan allerdings mit unerfreulichen Meldungen im Focus der Öffentlichkeit steht; auch die Rheinpfalz berichtete überregional. 

 

Ich bedauere das jetzige Geschehen um die Sammlung Pachen zutiefst und möchten mit diesem Schreiben darlegen, wie es zu dieser, zum Zeitpunkt meiner Amtsübernahme bereits unabwendbaren Situation kam.

 

Ich erkläre ausdrücklich, dass mir alle Rockenhausener Museen sehr am Herzen liegen und meine Beigeordneten und ich alles unternehmen, um deren Fortbestand zu sichern. Wir sind zuversichtlich, dass trotz der unklaren Zukunft ein Neuanfang im Museum Pachen gelingen wird.  

 

     Zusammenfassung

 

Glückliche Umstände verhalfen zur Entstehung des Museums, jedoch führten Versäumnisse und Fehlentscheidungen der zur damaligen Zeit verantwortlichen Kommunalpolitiker zur nun unvermeidbaren Versteigerung, dem enormen materiellen und ideellen Verlust für Rockenhausen und seiner Bürger.

 

Da laut Gerichtsurteilen keine wirksamen Verträge bestehen, die Rockenhausen zum Eigentümer der Sammlung Pachen machen, kam es zum 10 Jahre dauernden Rechtsstreit, nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit. Er endete 2018 vor dem Oberlandesgericht Zweibrücken mit dem Auftrag zu Vergleichsverhandlungen. 2019 führte die Kommunalwahl zum Wechsel der Stadtspitze und zur Änderung der Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat; 2020 folgte die ausführliche Information der Gremien und die Umsetzung des Vergleichs.                 

 

 

 

          Historie

 

 

 

                 1954   Das Ehepaar Pachen zieht von Spremberg (ehemalige DDR) über ein Flüchtlingslager nach Mainz. Dort werden nur Teile der Sammlung öffentlich gezeigt.

 

 

 

In den 90er Jahren nehmen Pachens das Angebot aus Rockenhausen an, ihre gesamte Sammlung in einem extra für sie gebauten Museum ausstellen zu können.

 

 

 

                      1992   unterzeichnen sie einen (nicht datierten) Vertrag, in dem ihnen zugesichert wird, mietfrei ihre Kunstwerke ausstellen und auch in einer Wohnung beim Museum wohnen zu dürfen. Sie sollten dafür ihre Kunstwerke in eine Stiftung überführen und damit den Fortbestand des Museums über ihren Tod hinaus gewährleisten. Der Sohn Siegbert Pachen nennt auf seiner Homepage als Datum des Vertrags den 03.07.1992.

 

1995   Das Ehepaar Pachen bezieht eine Wohnung in dem Gebäude, das mit Mitteln von EU, Stadt, Kreis, der Stiftung Kultur Rheinland-Pfalz und des Bezirksverbandes für ca. 1,4 Millionen D-Mark zum Museum umgebaut wurde.

 

1997   Eröffnung des Museum Pachen mit mehr als 2.000 Kunstwerken des Ehepaars Pachen, die aber im Eigentum Pachens bleiben; die vom Ehepaar Pachen zu gründende Stiftung kommt nie zustande.  Rockenhausen ist Eigentümer des Museumsgebäudes und damit Träger sämtlicher Unterhaltungskosten.

 

2004   Ein Vertrag zwischen der Stadt Rockenhausen und dem Ehepaar Pachen regelte Mietbedingungen für den Zeitraum von 1997 bis 2005 – unterzeichnet am 06.05.2004 - also rückwirkend genau 1 Jahr vor dem Vertragsende. Für Wohnung und Museumsräume wurden als monatliche Gesamtmiete 12.000 Deutsche Mark festgelegt, die nicht gezahlt, sondern mit der Sammlung verrechnet werden sollten.

 

2006   verstirbt Heinz Pachen, 2007 ebenso seine Frau Hella Pachen.

 

2007   Erbteil-Übertragungsvertrag von 4 Geschwistern an die Stadt Rockenhausen, mit dem Passus: falls die Stadt einen Erben finanziell oder in Bildern auszahlt, haben die anderen 4 Geschwister Ansprüche an die Stadt auf identischen Ausgleich. In diesem Fall ginge die Stadt vollkommen leer aus. Einer der 5 Erben lehnte diesen Vertrag von Anfang an ab.

 

2009   Dieser Erbe macht sein Erbrecht geltend, er will den Verkauf der Bilder.  

 

2017   Das Landgericht Kaiserslautern urteilt am 4.April: Die Kunstsammlung ist Teil des Nachlasses. Die Sammlung ist nicht der Stadt oder einer Stiftung Pachen übereignet. Auch besteht kein Mietzinsanspruch gegenüber dem Ehepaar Pachen.“ Das Landgericht urteilt: Der Mietvertrag vom 6.5.2004 zwischen Rockenhausen und Pachen „verstößt gegen die guten Sitten“. Die Stadt Rockenhausen geht gegen dieses Urteil in Berufung.

 

 

 

2018   Am 18.Mai entlässt das Oberlandesgericht Zweibrücken die Parteien zu Vergleichsverhandlungen. Das Gericht ändert bezüglich des Vertrages vom 6.5.04 das Urteil „Verstoß gegen die guten Sitten“ und nennt den Vertrag ein „Scheingeschäft“. Der Vergleichsvorschlag von Gisbert Pachen, ihn als Berater des Museums anzustellen und so zu entlohnen, wird am 05.11.2018 von Kultur- sowie Haupt- + Finanzausschuss abgelehnt.

 

 

 

2019 Kommunalwahl im Mai: Nach über 30 Jahren bekommt Rockenhausen im August einen neuen Bürgermeister und andere Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat. Der Sohn Gisbert Pachen drängt weiter auf die Umsetzung des Gerichtsbeschlusses.

 

 

 

2020   Die Umsetzung des 2 Jahre zuvor gefällten gerichtlichen Vergleichs wird unausweichlich.  Am 26.06.2020 informieren wir umfassend in einer gemeinsamen Sitzung mit dem von der Stadt beauftragten Rechtsanwalt Walter Stadtrat, Haupt- + Finanzausschuss und Kulturausschuss ; viele gewählte Gremienmitglieder erfahren zum ersten Mal von diesen Vorgängen; sie stimmen dem gerichtlichen Vergleich und der unabwendbaren Versteigerung zu.

 

Dezember 2020: Versteigerung von 18 bedeutenden Werken aus der Sammlung Pachen im Kölner Kunsthaus Lempertz. Weitere wertvolle Objekte werden im März 2021 im Auktionshaus Venator &Hanstein angeboten. Der Gesamterlös wäre aufzuteilen auf die 5 Erben Pachens.

 

 

 

Ausblick

 

 

 

Tatsächlich werden nur 4 Erben berücksichtigt, da es uns gelungen ist, einen Erben zur vertraglich geregelten Übertragung seines Erbteils an die Stadt Rockenhausen zu überzeugen, um so den Fortbestand des Museums zu sichern. Bleibt zu hoffen, dass mit dem Versteigerungserlös alle der Stadt entstandenen Gerichts- und Anwaltskosten abgedeckt sind und eine eventuelle Restsumme in einen Neustart einfließen kann.

 

Gerne hätten wir die Sammlung wenigstens teilweise erhalten, doch ein Rückkauf einzelner Werke durch die Stadt selbst war und ist angesichts des angehäuften Schuldenbergs der Stadt Rockenhausen von 31 Millionen Euro absolut realitätsfremd. Der veröffentlichte Link zur Versteigerung, um potenzielle Kunstfreunde zu animieren, einzelne Kunstwerke zu ersteigern und sie dann dem Museum als Dauerleihgabe zu überlassen, blieb ohne Erfolg.

 

 

 

Natürlich haben wir Pläne für dieses Museum. Wichtiger Partner ist hierbei sicherlich die Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (apk), mit der die langjährig bestehende Kooperation fortgesetzt werden soll. Mit ihr hat die Stadt schon seit Jahren einen kompetenten Berater zur Seite, der u.a. bei Sonderausstellungen im Museum Pachen unterstützt. Zudem sollen die Künstler des Kahnweilerpreises weiterhin in diesem Museum ihre Werke ausstellen können.  Sobald die bislang versiegelten Wohnräume frei werden, in denen ein Teil der Kunstsammlung lagerte, sollen sie renoviert und vermietet werden, um damit Mieteinahmen zu erzielen.

 

Aktuelle Informationen zu diesem und natürlich allen anderen Vorgängen in unserer schönen Heimatstadt finden Sie jederzeit auf unserer Homepage www.rockenhausen.de  die seit 1. Dezember online ist und hoffentlich Ihr Interesse, Ihre Zustimmung findet. 

 

Ich wünsche Ihnen trotz allem ein harmonisches Weihnachtsfest, einen guten Start ins neue Jahr und das bei hoffentlich bester Gesundheit.

 

Ihr Stadtbürgermeister                                                                                Rockenhausen, Dezember 2020